Wider dem Vergessen : Interview mit einem stellvertretenden Lagerkommandanten

Vorsicht ! Das folgende Interview mit dem stellvertretenden
Lagerkommandanten des polnischen Lagers Lamsdorf ist nichts
für Menschen mit schwachen Nerven.

´´ … Die Gerechtigkeit ließ sie vor der Baracke stehen und warten auf die Regis –
trierung, es konnte auch mal den ganzen Tag sein. Die Registrierung haben wir
angefangen mit einer gründlichen Durchsuchung. Wir nahmen alles. Eine versteckte
ihren Ring in den Haaren, wir schnitten sie ab. Wir nahmen und prügelten. Mit
Kolben, Händen, Füßen. Alte, Junge, Frauen. Alles, was sich bewegte, außer
Kindern. Zum ” Guten Morgen “, psychologisch, wie der Czesiek Geborski sagte,
damit man den Gehorsam in ihnen zupflügt. Ich erinnere mich, wie wir solchen
sechs Helme auf die Köpfe setzten und prügelten drauflos so lange, bis Blut
über die Augen floß. Die hatten trotzdem noch Glück. Einmal erblickten wir
einen mit einem Bart, der kam gar nicht in die Baracke zur Registrierung,
Judas. Johann hieß er, Johann L. Wir zogen ihn am Bart in die Werkstatt
und dort schraubten wir ihm den Bart in den Schraubstock und zündeten den
Bart an, damit er aussieht wie ein Bettler. Er schrie, daß er Kinder hat.
Die Reste vom Bart schnitten wir mit dem Messer ab, mit der Haut! Mit Zangen
rissen wir ihm die Fingernägel aus, einen nach dem anderen. Dann steckten
wir ihm eine Schulter in den Schraubstock und brachen sie. Mit der anderen
dasselbe. Dann haben wir angefangen, ihm mit Schlüsseln auf den Kopf zu
klopfen,
puk, puk, ist da wer ? Und dann hämmerten wir auf den Schädel, es gluckste,
Knochen krachten… Geteilt haben wir die Baracken so: Für Männer, für Frauen,
Frauen mit Kindern und Frauen, die arbeiten konnten. Und Ruhe. Keiner kennt
den anderen. Sollte irgendein Mann zu seiner Frau ein Wort sagen oder eine
Frau zu ihrem Mann oder Kind sagen, Prügel. 25 Schläge. Einmal sah eine Frau
ihren Mann, lief zu ihm, was haben wir gemacht. Drei Tage in der Sonne ohne
Essen und Trinken. Sie hielten sich an den Händen und lagen. Es gab kein Mit –
leid. Von der Erde in die Krankenstube, von der Stube unter die Erde ! Einer
hat mich mal gebeten, ich möchte ihn doch nicht töten, sondern erst nächsten
Morgen, er möchte gern noch seine Frau sehen, er hat sie nicht gesehen! Meine
Nummer 14 am Tag der Feuersbrunst, aber ich komme noch darauf. Der Tagesablauf
sah so aus: Um 6 Uhr wecken, aufstehen und auf den Platz. Laufen – fallen –
kriechen – laufen. Alt nicht alt. Krank nicht krank, ” Morgengymnastik ” auf
polnisch. Kommando und abzählen auf polnisch, von eins bis wie viele es waren.
Wer nicht konnte, wer falsche Zahl zahlte, Prügel, alt oder krank. Mit Knüppeln,
Füßen, Händen. Wir prügelten so lange, bis…. Wer krepierte, der krepierte.
Schuhe runter und ins Loch mit dem Aas. Manchmal, zum Zeitvertreib, befahlen
wir einigen, auf die Bäume zu klettern bis in die Wipfel. Andere wiederum
mußten die Bäume absägen. Sie sind runtergefallen wie Birnen. Gemborski hat
mal einem befohlen, auf den Baum zu klettern und schreien, ich bin ein Affe !
Und wir haben geschossen, bis er runterfiel ! Schuhe runter und ins Loch, ob
er lebte oder nicht, seine Sache. Dann Appell, Einteilung in Arbeitsgruppen
im Lager und außerhalb. Um 12 Uhr Ruhepause, dann wieder Arbeit, am Abend,
um 20 Uhr Ruhe. Ich sage Prügel, aber solche Prügel muß man sehen! … Wir
droschen, wie das Korn auf der Tenne. Haut und Fleischfetzen hingen in
Streifen. Sie lagen in der Krankenstube und waren am Krepieren. In den
Wunden tummelten sich Klumpen von Fliegen. Eins sage ich dazu, daß keiner
von uns sie vergewaltigt hat. Der Tod war für sie die Erlösung. Sie starben
an Blutvergiftung. Wir hatten keine Pferde, da haben wir vor den Pflug und
die Egge Männer vorgespannt. Vor den Pflug 12, vor die Egge 8 bis 12, es
kam darauf an, wie stark sie waren. Es kam vor, daß auch Frauen ziehen mußten.
Wir hatten keine Autos, da spannten wir sie auch vor einen Wagen oder Anhänger,
um Proviant zu holen, z.B. Oder vor eine Kutsche, um mit dem Kommandanten
spazieren zu fahren. Wie richtige polnische Herren ! Fünfzehnten September
spannten wir vor den Wagen 16 Mann, denn wir mußten schweres Gerät ins Dorf
bringen. Wir prügelten sie mit Stöcken, was das Zeug hielt, sie schafften es.
Auf dem Rückweg, im Wald, haben wir etwas herumgeschossen. Die Hälfte von ihnen
( Männern ) haben wir mit Schüssen zum Teich getrieben und ersoffen. Sechs davon
haben uns zum Lager gezogen. Drei davon haben vor Schreck die Sprache verloren,
einer hat sich selbst erhängt. Wir schossen auf die Leute in den Bäumen, wie
auf Affen, schossen in die Leute wie auf Fliegen. Einmal sind zu viele Weiber
in die Latrine reingegangen, ich schoß eine ganze Serie in sie hinein. Manche
bekamen in den Bauch, andere in die Brust. Die Kugeln trafen wie das blinde
Los. Stöhnten, jammerten, röchelten. Ins Loch damit! Damit keine Spur bleibt,
unter die Erde. Sie bogen und krümmten sich in der Erde, wie große Würmer,
wir schütteten sie mit Sand zu. ” Herr Ignac” kannte kein Mitleid. Aber jeder
kannte “Herrn Ignac”. Höchstens, daß nicht, da prügelte ich, oder ich gab
Befehl zum Prügeln. Zwei junge Hurensöhne gingen an mir vorbei, so an die
15 Jahre. Weder ” Achtung “, Morgen”, Einer musste den anderen prügeln. Über
einen Hocker und 25 auf den Arsch. Geschont haben sie sich, da habe ich ihnen
gezeigt, wie es geht. Mit einem dicken Kabel. – Wir prügelten und töteten.
Wir haben sie ausgesiedelt aus dieser Erde. Lehrer, Pl Beamte, Kaufleute,
Geistliche haben die Vorfahrt gehabt. Wir begossen sie mit Sejche, bewarfen
sie mit Scheiße, unter die Fingernägel trieben wir ihnen Nägel ein. Einem
Schuster aus Bielic, 58 Jahre, ( 1 sprang ich so lange auf dem Rücken herum,
bis er krepierte. Seinem Kumpel aus demselben Dorf, 65 Jahre, kam das Hirn
heraus, so habe ich ihm mit in dem Kolben den Schädel zertrümmert. Einen
erschoß ich, weil er Brillen trug, so ein Intelligent. – — Zusammen mit dem
Chef, Czeslaw G., haben wir dem Lehrer Wolf aus Bielic mit der Säge sein
krankes Bein abgesägt. Er schrie sich zu Tode. Wir erschossen eine Frau
im 9. Monat schwanger -. dann auch ihre kleine Tochter, als sie Blumen
legte auf das Grab der Mutter. Auf dem Lagergelände streunten Tag und
Nacht hungernde Kinder. Waisen oder Getrennte von ihren Müttern. Bettelten
vom Fenster zum Fenster und starben leise. Eines Tages gaben wir bekannt,
da» wir in der Baracke Milch haben für die Kinder. Sie kamen, wir erschossen
sie !!! Janek F. war gut, er mußte gut sein, denn bis zum Ende war er nicht
einer von uns. Eine Mutter mit ihrem Baby auf dem Arm bat um Suppe, er schlug
zu, direkt aufs Köpfchen. Und dann prügelte er die Mutter, sie floh vor ihm
mit einer roten Kugel im Arm ( blutiges Köpfchen des Kindes ). Wir klopften
ihm anerkennend auf die Schulter, daß er wenn auch nicht einer von uns, so
doch wie unser. Janek F. tötete zig Babys, gleich zwei auf einmal. Er zer –
trümmerte die Köpfe, indem er sie zusammenschlug. Wir verboten für die Toten
Kreuze aufzustellen. Paar Frauen mit Kindern wollten es doch tun, fielen
erschossen gleich auf ihre Männer, Väter und Kinder. Wen wir nicht erschlagen
haben, der krepierte an Hunger oder Krankheit. An Typhus starben sie wie die
Fliegen. Läuse fraßen ihnen die Haut so, daß man blanke Rippen sehen konnte.
So oder so haben wir zu wenig getötet. Czesiek G. wollte wenigstens zehn (10)
am Tag. Später mehr und mehr, Dörfer mußten schließlich geräumt werden für
unsere, aus dem Osten, denn sie nächtigen im Bahnhof in Oppeln, aber das
habe ich schon geschrieben. Am 4. Oktober zündeten wir zusammen mit D. die
Baracke Nr. 12 an. Vorher haben wir alle getrunken. Da war nicht was zu
löschen, aber den Frauen haben wir befohlen, Wasser und Sand zu schöpfen,
den Männern das aufs Dach tragen, schütten und löschen. Wir schossen, wenn
sie runter wollten. Das Dach ist eingebrochen, die Männer fielen rein und
verbrannten. Die, die Angst hatten, näherzukommen, warfen wir ins Feuer.
Die Familienmitglieder flehten uns auf Knien an, es gab kein Mitleid, der
Ehemann brannte vor den Augen seiner Frau und umgekehrt. Czeslaw 6. gab
Befehl zum Schießen, weil angeblich Aufruhr der Gefangenen, weil es brennt,
und sie wollen fliehen. So fingen wir an zu schießen. Wir haben geschossen
alle in alle. Wer kann das heute zusammenzählen, paar hundert Getötete
könnten es sein. Aus der Nähe, aus der Ferne, wie sie standen oder flohen.
Jeder von uns hat laut gezählt, wie viele er hat. D., der Vertreter von
Czeslaw G. tötete sechsundvierzig, ich verlor die Übersicht. Aus der
Krankenstube zog ich ein altes Weib heraus und zertrümmerte sie gleich
am Graben, ich tötete einen Vater von 6 Kindern, denn nach dem Feuer
brach er psychisch zusammen. Die letzte Leiche an diesem Tag war von mir.
Mit einem Schuß in den Hinterkopf erschoß ich den Sanitäter, er trug eine
Armbinde des Roten Kreuzes, und trug Suppe für ein krankes Kind-. Herbei –
gerufen habe ich zwei, damit sie ihn auf einer Trage zum Graben bringen,
da bei dem Toten das Hirn zu sehen war, befahl ich ihnen, es zu essen. Sie
wollten nicht, ich prügelte sie- mit dem Kolben. Tote und Schwerverwundete
haben wir befohlen in Gräben zu werfen und zuschütten. Die Erde bewegte sich,
man hörte das Röcheln, die Totengräber mußten solange darauf trampeln, bis
sich die Erde aufhörte zu bewegen und es war still. Durchgeführt wurde die
Exhumierung der Leichen von Soldaten der Roten Armee. Wir haben befohlen,
die aus der Erde herauszuholen, die ihre ( deutsche ) Soldaten dort vergraben
haben. Mit bloßen Händen, Männern und Frauen. Von den Leichen stank es wie
aus der Hölle, verwest waren sie schon so, daß ihre Teile man sogar in den
Stiefeln hatte. In manchen Gräbern waren die Leichen so verwest, daß, wenn
wir jemanden reinwarfen, der kam aus dieser schleimigen Masse nicht mehr
raus. Wir vergruben auch solche, die nur ohnmächtig wurden. Sie kamen zu
sich als man Sand auf sie schüttete. Sie schrieen wie irre. Totengräber-
vergruben sie in so einem Fall im Eil-Tempo. Wenn mich heute jemand
fragen würde, ob ich diese Schreie höre, da nein, ich höre nicht. Für
Sünden bereue ich nicht. Amen. Ignac Sz.“

Ignaz Sz ( Szypula ), welcher sich bis an sein Lebensende all seiner Schand –
taten und Verbrechen rühmte, wurde nie belangt und starb 1973 den
polnischen Heldentod, indem er betrunken von seinem Balkon stürzte.
Auch sein Vorgesetzter, der eigentliche Lagerkommandant, Czeslaw
Geborski ( *1924 -†2006 ) wurde nie für seine Taten belangt. Zwar
wurden gegen ihn 1959 und 2001 zwei Prozese geführt, die aber
nichts zu seiner Verurteilung führten.

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2 Gedanken zu “Wider dem Vergessen : Interview mit einem stellvertretenden Lagerkommandanten

  1. […] Wann gedenken denn die Polen die Deutschen zu entschädigen, für alles, was sie ab 1945 geraubt, ermordet und geschändet haben ? Hier mal ein Interview mit dem stellvertretenden polnischen Lagerkommandant, damit man weiß, das in Polen auch andere KZ als nur Auschwitz gegebenen : https://deprivers.wordpress.com/2016/01/27/wider-dem-vergessen-interview-mit-einem-stellvertretenden… […]

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