ARD macht Stimmung gegen Burkaverbot in der Schweiz

In der Asylanten Rundschau Deutschland, kurz ARD
genannt, wird uns nun in einer Reportage in der
Sendung ´´ Brisant „ selbst schon die Burka als
Zeichen der ´´ Weltoffenheit „ präsentiert. Und
so wird uns das Burkaverbot in der Schweiz nun
als ´´ rassistisch „ präsentiert. Natürlich habe der
Tourismus in der Schweiz stark gelitten, weil nun
die wenigen Burkafrauen ausbleiben. Und sogleich
findet das ARD-Team sogleich eine Muslima, die
mit Vollverschleierung gegen das Burka-Verbot
demonstriert. Das Reporterteam findet es da auch
nicht im Geringsten anstößig, das ein algerischer
´´ Geschäftsmann „ diese Protestaktion ´´ finan –
ziert „. So sieht als unabhängig sachliche Bericht –
erstattung in der Ersten Reihe aus !

Der Fall Binjamin Wilkomirski

Nachdem im Jahre 2016 die Auschwitz-Lüge des Joseph Hirt
ans Tageslicht gekommen, – Hirt der niemals in Auschwitz
gewesen, hatte 2006 den Bericht seine erfundene Lagerhaft
veröffentlicht -, ist es vielleicht an der Zeit, hier an den
ähnlichen Fall des Benjamin Wilkomirski aus der Schweiz zu
erinnern.
Einer der bekanntesten Fälle von Holocaust-Geschichten aus
neuerer Zeit ist wohl der ´´ Fall Binjamin Wilkomirskis „ ,
bei dem sich der Schweizer Autor Bruno Dössecker als
Wilkomirskis ausgab und im Jahre 1995 sein Buch ´´ Bruch –
stücke „ ( auch unter dem Titel ´´ Fragmente „ herausge –
bracht ) veröffentlichte, welches die angebliche Geschichte
eines polnischen Kindes beschreibt, welche sein Leben in
deutschen Konzentrationslagern verbringen mußte, be –
schreibt. Dössecker wurde mit Lob und Preisen des üblich
blindem Etablissement geradezu überhäuft und von der
Presse gefeiert.
Die US-Presse frohlockte damals gar, es sei der ´´ größte
Schweizer Bucherfolg seit Heidi „( also seit 1880 ). ´´ Als im
Jüdischen Verlag des Hauses Suhrkamp im August 1995 unter
dem Titel Bruchstücke. Aus einer Kindheit 1939-1948 ein in
der ersten Person Singular verfasster Text über die trau –
matische Odyssee eines jüdischen Knaben herauskam,
schien ein neues Kapitel in der Geschichte der Evokation
des Grauens aufgeschlagen : Selten wurden Verstörung,
Gewalt und Terror in so eindringliche Worte und Bilder
gefasst wie in dem schmalen Band, selten wurden ultime
physische und psychische Bedrohung auf so unerträgliche
Weise suggeriert wie in dieser fragmentarischen Prosa .
Was Wunder, dass die Bruchstücke für Aufsehen sorgten
und mit ihnen der Autor Binjamin Wilkomirski, ein unter
dem bürgerlichen Namen Bruno Doessecker in der Schweiz
lebender Musiker; was Wunder, dass das Buch in ein Dutzend
Sprachen übertragen wurde und rund um den Erdball multiple
Betroffenheiten auslöste. Entsprechend tragisch war die Fall –
höhe, als Daniel Ganzfried im August 1998 in der Weltwoche
( 27. 8. ) deklarierte, Wilkomirski sei “ nie als Insasse in einem
Konzentrationslager“ gewesen, sondern vielmehr ein 1941 als
Bruno Grosjean in Biel geborener Schweizer Bürger. Die Auf –
regung darob war gewaltig und ist es bis zum heutigen Tage,
als sich Ganzfrieds insistierende Artikel inzwischen auf den
Vorwurf planmäßig kalkulierten Betrugs eingeschossen haben.
Anlass für die literarische Agentur Liepmann, die 1994 das
Manuskript entgegengenommen und die Rechte weltweit
vermittelt hatte, ihrerseits eine historische Überprüfung der
Textreferenzen in Auftrag zu geben : Mit Stefan Mächlers
voluminösem Band Der Fall Wilkomirski „ hieß es in ´´ Schreib –
kraft „, dem Feuilletonmagazin.
Verschiedene Autoren und Historiker griffen das Thema auf
und schrieben, zum Teil als Auftragsarbeiten, ihre Analysen
und Erkenntnisse in Buchform nieder, wie z.B. ´´ Der Fall
Wilkomirski „ von Stefan Mächler ( 2000 ) und ´´ Der Mann
mit zwei Köpfen „ von Elena Lappin ( 1999 ) ; aufgedeckt
wurde der Fall aber im Herbst 1998 von Daniel Ganzfried .
Der Fälscher wurde sofort, wie zu erwarten war, zum Opfer
erklärt, es entstand das ´´ Das Wilkomirski-Syndrom Einge –
bildete Erinnerungen oder Von der Sehnsucht Opfer zu sein „
( Buch von Irene Diekmann und Julius H. Schoeps, Pendo-Verlag,
2002 Zürich/München). Als Wilkomirskis Buch im Sommer 1995
bei Suhrkamp erschien, galt dieser ab sofort als jüngster Über –
lebender des Holocaust.
Im Laufe der Monate wurde Wilkomirski mit Literaturpreisen
geradezu überhäuft. Daniel Goldhagen, der Autor des Buches
´´ Hitlers willige Vollstrecker „ nannte Wilkomirskis Buch gar
´´ ein kleines Meisterwerk „. Andere Autoren begrüßten das
Buch als willkommene Ergänzung zu Anne Franks Tagebüchern.
Daniel Ganzfried Entlarvung wird zugleich eine schonungslose
Abrechnung mit der Holocaust-Industrie : ´´ Mit seiner Zus –
ammenfassung der Geschichte im Buch … alias Wilkomirski
schreibt er mit literarischer Finesse gegen die Betrüger von
damals an. Ganzfried bringt die Fakten erzählerisch ; fast wie
in einem Thriller, und in einem ironisch-distanzierten Tonfall,
den die Schuldigen sicher als schmerzhaft auffassen werden …
Der Wilkomirski-Skandal ist so komplett mies, er klebt dank
Ganzfried an den Leuten, mit Verlaub, wie Dreck am Schuh.
Wer damals gute Geschäfte machte, bekommt bei Ganzfried
die Rechnung präsentiert. … alias Wilkomirski ist ein höchst
amüsantes Lehrbuch. Nach der Lektüre wird sich jeder Reporter,
jeder Lektor, jeder Redaktionsleiter, jeder Verleger fragen müssen,
ob er auch eine Nennung in einem derartigem Buch riskieren will.
Stoff für ähnliche Bücher gibt es genug.„ ( Rainer Meyer ).
Bruno Dössecker, der Geschichte studierte, war zuvor lediglich
mit einer unvollendeten Doktorarbeit über die jüdische Migration
in Osteuropa 1918-1938 in Erscheinung getreten. An der Wahrheit
scheiternd, verlegte sich Dössecker dann ganz auf die Fantasie. Der
kranke Geist Dösseckers, zusätzlich angestachelt von dem israelischen
Psychiater Elitsur Bernstein, verlegte sich nunmehr auf das blanke
Geschichtenerfinden. Selbst nach der Aufdeckung dieses gewaltigen
Betruges gibt es immer noch Leute die Dössecker die Stange halten,
so Israel Gutman ( *1923 ), einer der Direktor von Yad Vashem meinte
gar ´´ Wilkomirski hat eine Geschichte geschrieben die er im Innersten
erlebt hat, das ist sicher. Auch wenn er nicht jüdisch ist, so ist doch
wichtig, das er vom Holocaust derart tief berührt wurde. Er ist kein
Fälscher. Er ist jemand, der diese Geschichte tief in seiner Seele erlebt
hat. Der Schmerz ist authentisch. „ Gutman, der als Historiker mit
Werken über den Holocaust sein Geld verdient, weiss nur zu gut,
das derartige Fälschungsentlarvungen seinen Gewinn schmälern.
Und wenn es ums Geldverdienen geht,wird weitergemacht mit all
den dreckigen Lügen. Aus dem Geschichtsfälscher und überführten
Täter Bruno Dössecker wird dann ein Opfer, welches noch 1999 unter
dem Synonym Wilkomirski frech weitere Werke herausgibt : Binjamin
Wilkomirski & Elitsur Bernstein : ´´ Die Identitätsproblematik bei über –
lebenden Kindern des Holocaust ; in: Friedmann, Alexander; Glück,
Elvira ; Vyssoki, David ( Hg. ): Überleben der Shoah – und danach.
Spätfolgen der Verfolgung aus wissenschaftlicher Sich ; Wien 1999 „.
Was wurde an diesem Werk denn nun eigentlich so euphorisch ge –
feiert ?
Waren es die unerhörten Grausamkeit der Deutschen, die Dössecker
oft mit unterschwelliger Gewaltpornographie präsentiert ? Hier nur
ein kleiner Ausschnitt : ´´ Für immer hat sich mir das Bild jener zwei
Knaben vor dem Barackentor in mein Gehirn gebrannt: Sie durften
die Baracke nicht mehr betreten. Sie sollten uns eine Warnung sein.
Gekrümmt, sich windend und unablässig schreiend knieten sie im
Dreck. Entsetzt blickte ich auf ihre rot zertropften Hosen. Die
grösseren Kinder erzählen: Auf dem Weg zur Latrine hätten sie
ihr Wasser nicht mehr halten können. Zwei Blockowas hätten
sie erwischt, als sie hinter einer Baracke an die Wand gepinkelt
hätten. Zur Strafe habe man ihnen von vorne Stäbchen in den
Pimmel gesteckt, so tief es nur ging. Einige sagten, die Stäbchen
seien aus Glas gewesen. Dann hätten die Blockowas darauf
geschlagen und die Stäbchen seien zerbrochen und könnten
nicht mehr herausgezogen werden. Die Blockowas hätten sehr
gelacht und grosses Vergnügen dabei gehabt. „ Nun schreien
sie und pinkeln nur noch Blut!“ sagte einer. Am Abend wim –
merten sie noch, und dann hat man sie weggebracht „
( ´´ Bruchstücke „ S.57/58 ).
An anderer Stelle beschreibt er wie ´´ beim Spielen mit einer
Holzkugel vor ihrer Baracke zum Beispiel bewegen die Kinder
einen Aufseher zum Mitspielen. Dieser nimmt lächelnd die Kugel
und schlägt einem Kind damit den Schädel ein. „ Würde man nun
über andere Völker derartige Horrorfantasien verbreiten, wäre
es Volksverhetzung und der Verbreiter müsste sich vor einem
Gericht für sein Machwerk verantworten, läßt man dagegen
das Bild des ´´ hässlichen Deutschen „ dergestalt aufleben,
wird man gefeiert.
Ausgestattet mit einem derartigem Sammelsurium an grauen –
vollen ´´ Täterbeschreibungen „ ging der Autor Dössecker mit
seinem Werk hausieren, trat vor Schulklassen auf, ließ ´´ seinen „
Lebensweg gar noch im Holocaust Memorial Museum in Was –
hington und für Spielbergs ´´ Shoah Visual History Foundation „
aufzeichnen. Jüdische Organisationen rissen sich geradezu um
dieses ´´ schlechte, sentimentale und gewaltpornographische
Buch „ ( Daniel Ganzfried ), überhäuften den Autor mit Preisen.
Hatten jene Kreise derartige Horrorgeschichten so dringend
nötig ? Warum also ein derart übertriebenes Interesse an solch
einem Machwerk ? Zuletzt die alles entscheidende Frage : Wa –
rum erkannten so viele dieses völlig frei erfundene Werk als real
an ? Zu welchem Zweck bedurfte man eines derartigen völlig fik –
tives Machwerkes, wo es doch vorgeblich so viele reale KZ-Berichte
gibt ?
Andererseits aber hat Dössecker mit seinem Schundwerk auch den
Holocaust-Leugnern und Revisionisten einen Bärendienst erwiesen,
denn getreu dem alten Sprichwort ´´ Wer einmal lügt dem glaubt
man nicht… „, gab er ihnen nahezu eine ganze Wagenladung an
neuen Argumenten. Denn es durchaus bedenklich, dass selbst jene
Überlebenden, welche selbst in einem KZ gesessen hatten, die fik –
tiven Schilderungen als real ansahen und damit quasi ebenso eine
erfundene Identität zu ihrer eigenen machten. Da fragen sich nun
natürlich alle Revisionisten, wie viel an all diesen KZ-Schilderungen
denn nun real und was reine Fantasie, denn seit Wilkomirski sind
die Grenzen zwischen Wahrheit und reinenFantasiegebilden nur
noch mehr verschwommen.
Im Jahre 2012 hatte dann auch die Bundesrepublik Deutschland
ihren Fall mit der erfundenen Holocaustbiografie in Gestalt des
Otto Uthgenannt ( *1935 ) aus Ostfriesland. Uthgenannt hatte
sich als ein das KZ Buchenwald überlebendes jüdisches Kind aus –
gegeben. Seine erfundene Biografie hatte sehr große Ähnlichkeit
mit der des Falles Binjamin Wilkomirski. Uthgenannt hatte über
Jahre in Schulen und bei Gedenkveranstaltungen über seine fünf –
jährige Haftzeit als jüdisches Kind im KZ Buchenwald berichtet. Er
behauptete durch den Holocaust 72 Verwandte verloren zu haben,
darunter Vater, Mutter und Schwester. In Wahrheit aber war die
Familie Uthgenannt nicht jüdisch, sondern evangelisch und nie ins
KZ deportiert worden. Vater, Mutter, Schwester und Sohn über –
lebten den Krieg in Göttingen. Seinen letzten öffentlichen Auftritt
hatte der Holocaustlügner Uthgenannt am 7. November 2012 in
Wildeshausen. Angeklagt wird Uthgenannt dafür nicht, denn :
´´ Strafrechtlich wird die falsche Biografie für Otto Uthgenannt
vermutlich keine Folgen haben, erklären Juristen auf Nachfrage.
Wenn jemand Geld verdient mit einer Lüge, dann kann man ihn
wegen Betrugs anklagen. Auch die Verwendung eines falschen
Titels ist strafbar. Es ist aber nicht verboten, sich eine Religions –
zugehörigkeit, eine Lagervergangenheit oder tote Verwandte
auszudenken. Heikel wird es lediglich, wenn zur Untermauerung
einer falschen Biografie Urkunden gefälscht werden „.
Im Gegensatz zum Leugnen des Holocaustes hat das Erdichten
einer Holocaust-Biografie in Deutschland nämlich keinerlei straf –
rechtliche Folgen !
Inzwischen befassen sich ganze Horden von Psychiater mit solch
eingebildeten Holocausterlebnissen und man beginnt sich zu
fragen, ob Deutschland demnächst auch für in kranker Fantasie
erdachte Holocaustvergangenheit zur Kasse gebeten wird. In
gewisser Weise wird Deutschland ja bereits schon zur Kasse
gebeten, wenn z.B. die Kinder verstorbener Holocaustopfer noch
ein Jahr nach dem Versterben des eigentlichen Opfers eine Rente
auf diesen beantragen können, ohne je selbst etwas direkt mit
dem Holocaust zu tun zu haben. So wächst auf dem Papier eine
ganze Generation von Holocaustopfern nach. Sind demnächt also
auch Zahlungen fällig an Personen, welche träumten sie wären
Insassen eines KZs, vielleicht nach dem etwas zu hastigen Genuß
von Propagandafilmen ala ´´ Schindlers Liste „ ?

Anhang :
Ein fast perfekter Schmerz – Die Affäre um Binjamin Wilkomirski
zieht weite Kreise: Darf man Erinnerungen an den Holocaust er –
finden ?
In diesem Herbstsemester findet an der Universität Princeton bei
Professor Froma I. Zeitlin ein Seminar statt, das von “ Texten und
Bildern des Holocaust “ handelt. Bedeutende Werke aus Literatur
und Film über das “ traumatischste Ereignis in der Geschichte des
Westens “ ( Vorlesungsverzeichnis ) sollen dabei analysiert werden −
mit “ besonderem Hinblick auf das Problem der Zeugenschaft „. In
der Leseliste findet sich neben Werken von Primo Levi und Elie
Wiesel auch das Buch eines Autors, der dieser Tage Schlagzeilen
macht : Binjamin Wilkomirskis “ Bruchstücke. Aus einer Kindheit
1939−1948 „. Sollte sich erhärten lassen, was neuerdings in Zeit –
ungsberichten über Wilkomirski zu lesen ist, dann könnte sich
dem Seminar das “ Problem der Zeugenschaft “ in einer unge –
ahnt peinlichen Weise stellen. Die Zürcher Weltwoche hat näm –
lich Recherchen über den Autor angestellt, die sein Buch, das
vermeintliche Zeugnis eines Überlebenden, in den dringenden
Verdacht gebracht haben, eine Fiktion zu sein. Wilkomirski,
behauptet der Journalist Daniel Ganzfried, habe seine jüdische
Identität frei erfunden. Er sei als uneheliches Kind einer Yvonne
Berthe Grosjean geboren und nach einigen Jahren im Waisenhaus
Adelboden von dem Zürcher Ehepaar Doessekker adoptiert wor –
den. Wilkomirski könne nicht, wie er es in seinem Buch schildert,
als jüdisches Kleinkind in Riga, Krakau und Majdanek gewesen
sein. Aus den Akten der Schweizer Behörden, so Ganzfried,
lasse sich ein lückenlos einheimischer Lebenslauf rekonstruieren.
Mit gutem Grund hat diese Anschuldigung eine breite Diskussion
in den Schweizer und deutschen Feuilletons ausgelöst. Denn Wil –
komirskis Buch, 1995 bei Suhrkamp im Jüdischen Verlag, 1996 in
englische Übersetzung bei Schocken erschienen, ist in wenigen
Jahren zu einem Klassiker der Holocaust-Erinnerungsliteratur ge –
worden. Wo Texte von bekannten Überlebenden der Lager wie
Primo Levi, Imre Kertesz oder Ruth Klüger gelesen werden, da
dürfen heute auch die “ Bruchstücke “ nicht mehr fehlen. So hat
etwa Elfriede Jelinek kürzlich in ihrem Lesungsprogramm bei den
Salzburger Festspielen Wilkomirskis Text neben Paul Celan und Elie
Wiesel vortragen lassen. Die Literaturkritik hat die “ Bruchstücke “
seinerzeit mehrheitlich mit fast religiöser Ehrfurcht aufgenommen.
Vor einem Buch, das offenbar “ das Gewicht des Jahrhunderts “ ( so
damals die Neue Zürcher Zeitung) zu tragen hatte, verblaßten alle
skeptischen Fragen. Hier und da wurde angemerkt, daß die Gewalt –
und Horrorszenen aus den Lagern ein wenig zu klar und zu effektvoll
wirken − wie “ auf der Couch eines Psychoanalytikers rekonstruierte
Alpträume eines Traumatisierten“ ( Süddeutsche Zeitung ). Da kriechen
Ratten aus Frauenbäuchen, Hirnmasse quillt aus Babyschädeln, und
Blut schießt den Opfern in mächtigen schwarzen Fontänen aus den
Hälsen. Man hielt sich aber mit weitergehenden Zweifeln an der
Authentizität zurück, denn schließlich bürgte hier ein leibhaftiger
Leidender, ein stets bescheiden und leise auftretender Mensch, für
die Wahrheit seines Textes. “ Was sich im einzelnen tatsächlich zu –
getragen hat, spielt deshalb eine untergeordnete Rolle „, resümierte
damals Eva−Elisabeth Fischer in der SZ : “ Denn die Bruchstücke der
Erinnerung sind Binjamin Wilkomirskis Wahrheit.“ Im Namen dieser
Wahrheit ist der Autor seither weltweit auf Fachkongressen, bei
Lesungen und vor Schulklassen aufgetreten. 1996 ist er in den
Vereinigten Staaten mit dem National Jewish Book Award aus –
gezeichnet worden, nicht in der Sparte Literatur, son dern im
Genre “ Autobiographie/Erinnerung „. Dieser Ehrung waren auch
in US−Medien enthusiastische Besprechungen vorhergegangen.
Die Rezensentin der New York Times sprach von einer “ dunklen
proustianischen Erinnerung “ und “ poetischen Vision“ im “ kind –
lichen Stand der Gnade „. Der Kritiker des linken Magazins The
Nation erklärte gar, das Buch sei “ so bewegend, von solcher
moralischen Bedeutung und so frei von literarischer Künstlich –
keit, daß ich mich frage, ob ich überhaupt das Recht habe, mein
Lob vorzubringen…. Dieser Mann hat überlebt − wir wissen nicht,
wie, seine geistige Gesundheit scheint ein Wunder − und er über –
läßt dieses Geschenk von nahezu perfektem Schmerz einer Welt,
die immer noch bereit ist, die Unschuldigen zu zerstören.“
Nicht nur die Literaturkritik, auch die Wissenschaft glaubte bald,
ein unerhörtes Dokument vor Augen zu haben. Der Historiker
Wolfgang Benz, Leiter des Berliner Zentrums für Antisemitismus –
forschung, attestierte den “ Bruchstücken “ noch vor kurzem in
der ZEIT (Nr. 37/98) “ nicht nur Authentizität, sondern auch lite –
rarischen Rang „. Wilkomirskis “ Bruchstücke “ seien “ eine Dar –
stellung, die dem Leser nachvollziehbare Einsichten in die kom –
plexe Tragödie vermittelt wie kaum ein anderes Dokument „.
James Young, ein international anerkannter Experte in Sachen
Holocaust−Gedenken, nennt das Buch auf unsere Nachfrage
hin „ein wunderbares Zeugnis“. Mit den Ermittlungen der Welt –
woche konfrontiert, zieht Young sich vorerst auf die Position
zurück, der “ literarische Wert “ des Buchs bleibe doch wohl
unberührt von der Biographie des Autors. aus ´´ Die Zeit „ 39/
1998 , Jörg Lau – ´´ Ein fast perfekter Scherz „
Da wurde es meine Geschichte – Das eingebildete Opfer : Binjamin
Wilkomirski und die Erinnerung an den Holocaust
In einer Synagoge in Beverly Hills schlossen Laura Grabowski und
Binjamin Wilkomirski 1997 einander in die Arme. Beide hatten das
KZ Birkenau überlebt und sich nach mehr als fünfzig Jahren wieder
gefunden. Die Anwesenden waren ergriffen. Sie weinten und app –
laudierten. Sie wussten nicht, dass Binjamin Wilkomirski ein Schwei –
zer war und KZs erst nach dem Kriege als Besucher gesehen hatte.
Sie hatten auch keine Ahnung, dass Laura Grabowski keine ost –
europäische Jüdin, sondern eine Amerikanerin war, die einige
Jahre zuvor unter dem Namen Lauren Stratford einiges Aufsehen
durch eine Autobiografie erregt hatte, in der sie schilderte, wie
sie als Kind von Sexualtätern und Satanisten missbraucht wurde.
Ein paar Jahre lang galten Laura Grabowski und Binjamin Wilkomirski
als überlebende Zeugen der Gräuel der Vernichtungslager. Sie berich –
teten vor Wissenschaftlern und Frauenvereinen. Sie halfen Gelder
zu beschaffen für das Holocaust Memorial und die Shoah Founda –
tion. Sie waren Teil der von Norman G. Finkelstein so genannten
„Holocaust-Industrie“. Binjamin Wilkomirskis vorgebliche Erinner –
ungen an seine Kindheit in Krakau und Majdanek wurden unter
dem Titel „Bruchstücke“ im „Jüdischen Verlag“ veröffentlicht und
anschließend in neun Sprachen übersetzt. Beide haben nachweis –
lich ihre Märtyrer-Viten erfunden. Zwei gerade erschienene Bücher
analysieren „das Wilkomirski-Syndrom“. Wer eine Ahnung davon
bekommen möchte, wie sehr die Erinnerung an den Holocaust sich
von den Geschehnissen gelöst und zur Religion geworden ist, der
muss diese Bücher lesen. Der Journalist Daniel Ganzfried hat im
August 1998 durch einen Artikel in der Zürcher „Weltwoche“ dem
gespenstischen Treiben des Bruno Doessekker, der zu Binjamin
Wilkomirski mutierte, ein Ende gemacht. In „…alias Wilkomirski“
trägt Ganzfried noch einmal die Ergebnisse seiner Recherchen
zusammen, dazu Stellungnahmen von Claude Lanzmann, Imre
Kertesz, Ruth Klüger und anderen. Irene Diekmann und Julius H.
Schoeps dokumentieren in „Das Wilkomirski-Syndrom“ eine
Tagung, die das Potsdamer Moses-Mendelssohn-Zentrum zum
Thema veranstaltete. Hier ging es nicht nur um den Fall des
Schweizer Holocaust-Transvestiten, sondern auch um ähnliche
wie den von Laura Grabowski. Unsere Beschäftigung mit dem
Holocaust hat neurotische Züge. Das fängt vergleichsweise
harmlos an. Junge Menschen benennen sich um in Lea und
Sarah, in Jacob und Benjamin. Und es endet bei der Erricht –
ung eines neuen Kultes, einer Holocaust-Religion, die festlegt,
wie über die Vernichtung der europäischen Juden gesprochen
werden darf. Im Laufe des Historikerstreites wurde die unsinnige
Formel von der „Unvergleichlichkeit des Holocaust“ durchgesetzt.
Sie ist einer der zentralen Glaubensartikel dieser Religion. Er nimmt
die von den Nazis industriell organisierte Vernichtung – übrigens
nicht nur von Juden – aus der Geschichte heraus, sakralisiert sie.
Sie ist jetzt nicht mehr zu analysieren, zu verstehen, sondern sie
steht da als ein einziges großes jede Diskussion, jedes Argument,
alle Rationalität erschlagendes Tremendum. Der Holocaust ist
zum Fetisch geworden. Bruno Doessekker, der, wenn er nicht
auf Podien Jiddisch stammelte, feinstes Zürichdeutsch sprach,
ist die Parodie der neuen Religion. Er übertreibt sie bis zur
Kenntlichkeit. Er karikiert uns. Die wenigstens hatten es frei –
lich gemerkt. Sie glaubten ihm, schon um sich weiter glauben
zu können. Daniel Ganzfried hat dem den Garaus gemacht.
Er hat Kirchenbücher und Gemeindeakten gewälzt, hat Zeugen
befragt und uns so die Chance gegeben, den „Holocaust-Zirkus“ –
so nennt er das – zu begreifen. Die Szene in der Synagoge von
Beverly Hills, in der zwei Gojim wie im Kasperletheater das
Wiedersehen zweier jüdischer Holocaust-Überlebender auf –
führen, mag manchen infam vorkommen. Aber ist sie nicht
auch von einer Komik, wie wir sie allenfalls Mel Brooks oder
Philip Roth zugetraut hätten ? Viele Experten sind auf Wilko –
mirski hereingefallen. Unter anderen der Leiter des Berliner
Zentrums für Antisemitismusforschung Wolfgang Benz. Er
wird am Mittwochabend im Berliner Kulturkaufhaus Dussmann
mit Daniel Ganzfried über die Holocaust-Travestie, über das
Wilkomirski-Syndrom sprechen. Wo freilich die Rollen so klar
definiert sind, wo jeder schon seinen Text hat, wo jede Geste
festgelegt ist, da ist leicht fälschen und da ist noch leichter auf
Fälschungen hereinfallen. Je genauer wir wissen, was und wie
wir glauben sollen, desto einfacher wird die Herstellung ent –
sprechender Scripts. Man wird davon aus gehen müssen, dass
es neben den bisher bekannten Fällen eine große Zahl noch
unaufgedeckter Erinnerungs aneignungen gibt. Aus den unter –
schiedlichsten Motiven werden sie begangen und aus eben so
unterschiedlichen von Menschen, die es besser wissen, ge –
deckt. Für einen der berühmtesten Fälle ist – wie bei Wilkomirski –
Siegfried Unselds Jüdischer Verlag verantwortlich ( nicht zu ver –
wechseln mit dem Jüdischen Verlag Berlin, in dem Ganzfrieds
Buch erscheint ). Als der 1992 gegründet wurde, da legte er ein
Buch vor “ Wolfgang Koeppen : Jakob Littners Aufzeichnungen
aus einem Erdloch“. Es war die um ein Vorwort bereicherte,
ansonsten unveränderte Wiedergabe des 1948 erschienenen
Buches : “ Jakob Littner : Aufzeichnungen aus einem Erdloch.“
Barbara Breysach erinnert in ihrem Beitrag zum “ Wilkomirski-
Syndrom “ daran, dass Koeppen ein 180 Seiten umfassendes,
ausformuliertes Manuskript des jüdischen Briefmarkenhändlers
Jakob Littner vorlag, das er lektorierte und 1948 unter Littners
Namen veröffentlichte – dessen Existenz er aber im Vorwort der
Neuausgabe 1992 ver leugnete. Vielmehr verstieg sich Koeppen
zu der wilkomirskiartigen Behauptung, er habe “ die Leidensge –
schichte eines deutschen Juden “ geschrieben ; “ Da wurde es
meine Geschichte „. Der Jüdische Verlag setzte dem dann im
Klappentext die Krone auf und behauptete, Koeppen habe das
Werk 1948 “ unter dem Pseudonym Littner “ veröffentlicht. In
diesem Jahr soll endlich das Littnersche Manuskript im Berliner
Metropol-Verlag erscheinen.
Man mag über die Wilkomirskis spekulieren, ob sie verrückt,
publicitysüchtig, geldgierig oder alles zusammen sind, aber
man sollte bei all dem nicht den zum Suhrkamp-Verlag ge –
hörenden Jüdischen Verlag und seinen Chef Siegfried Unseld
vergessen. Er hat nicht nur die Enteignung Littners zu verant –
worten. Er hat auch gegen frühe Warnungen die Fälschung
Wilkomirskis veröffentlicht. Er hat als die Beweise für die
Fälschungvorlagen an ihr festgehalten. Er hat bis heute nichts
zur Aufklärung des Falles getan. Die letzte Äußerung von ihm
lautete : “ Bruchstücke “ sei ein gutes Buch. Die Frage, ob
authentisch oder fiktional interessiere ihn nicht. Das ist eine
verlegerische Bankrotterklärung. Man mag als Verleger die
Entscheidung über gut oder schlecht suspen dieren und sie
dem Publikum überlassen. Die Entscheidung aber, ob ein
Buch in die Roman- oder in die Sachbuchabteilung gehört,
die muss der Verleger – schon aus juristischen Gründen –
selbst fällen. Koeppen und Wilkomirski haben sich beide
jüdische Geschichte angeeignet. Ihr gutes Recht. Sie haben
sie aber als eigene Geschichten verkauft. Das ist Betrug.
Siegfried Unselds Jüdischer Verlag hat diesen Betrug ge –
fördert. Er machte mit beim Holocaust-Zirkus, stattete
eine der erfolgreichsten Travestie-Nummer aus, bei der
die Täter und deren Nachkommen die Opfer überzeugender
spielen sollten als die wirklichen das können.
aus : ´´ Berliner Zeitung „ vom 6. Mai 2002, Arno Widmann –
´´ Da wurde es meine Geschichte „.
Daniel Ganzfried – ´´ alias Wilkomirski. Die Holocaust-Travestie „ .
Hrsg. von Sebastian Hefti. Jüdischer Verlag Berlin, Berlin 2002.
In Deutschland war Wilkomirskis Machwerk wenig gefragt. Bei
Ganzfrieds Aufdeckung dieses Schwindels wurden gerade einmal
ca. 9.000 Exemplare seines Buches verkauft, bis zur Rücknahme
im Jahre 1999 waren es 13.000 Bücher.
´´ Wir lesen ihre Geschichte und leiden mit: Ob Kindersoldaten,
Drogenabhängige oder KZ-Überllebende-Biographien verkaufen
sich gut. Nun drängen immer mehr Fälschungen auf den Markt,
die schlichtweg erfunden sind „ aus ´´ Südeutsche Zeitung „
vom 17. März 2008 Im Jahre 2008 fliegt eine weitere dieser
Fäschungen auf : Die belgische Buchautorin Misha Defonseca
hatte 1997 ihr Buch ´´ Misha: A Memoir of the Holocaust Years „
( deutsch ´´ Überleben unter Wölfen ) veröffentlicht, in dem sie
behauptete es sei autobiografisch. Im Buch wird die Geschichte
eines jüdischen Mädchen erzählt, das beschützt von Wölfen quer
durch das von Nazi-Deutschland besetzte Europa wandert, um
ihre verschleppten Eltern zu finden. Angesichts des behandelten
Stoffes kaum glaubwürdig, hatte die Autorin, die eigentlich
Monique De Wael mit richtigem Namen heißt, ein Jahrzehnt
lang allen Ernstes behaupten können, das ihr Buch autobio –
grafische Züge trage. Erst im Februar 2008 wurde bekannt, das
die Autorin nicht einmal Jüdin war und ihre Geschichte frei er –
funden war. Ihre ´´ Autobiografie „ war in Belgien und Frank –
reich sehr erfolgreich und wurde sogar noch verfilmt. Ans
Licht gekommen waren ihre Lügen durch die belgische Zeitung
“ Le Soir „, die in Brüssel eineCousine der Autorin ausfindig ge –
macht hatte. Die Cousine stellte Defonsecas gesamte Geschichte
in Frage. Ihr französischer Verleger Bernard Fixot äußerte
sich angesichts dieser Entlarvung : ´´ Die Geschichte habe ja
auch niemandem unrecht getan. „Es war eine sehr schöne
Geschichte, die nur den Nazis Vorwürfe machte „. Ange –
sichts der Glaubwürdigkeit seine Autorin meinte Fixot :
´´ Er habe der Autorin zu der außergewöhnlichen Wolfs –
geschichte zwar Fragen gestellt, sie aber letztlich einfach
geglaubt. “ Ich kannte Misha sehr gut. Ich hatte wirklich
Vertrauen. Wenn man Texte veröffentlich, prüft man nicht
alles nach.“ Wenn es allerdings darum geht die Deutschen zu
verunglimpfen, sind einige gar bereit alle Märchen für wahre
Münze zu nehmen.emoaren