Event-TV oder das Geschichtsbild im Staatsfernsehen

Wie wir als Deutsche Zeitgeschichte erleben sollen, etwa als Eventfilm,
zeigt uns der im Jahre 2005 gedrehte Film ´´ Dresden „ anschaulich.
Die ´´ richtige „ Darstellung der Ereignisse beginnt bei Regisseur Roland
Suso Richter schon damit, dass alle mitwirkenden Statisten versichern
mussten keiner rechtsradikalen Gruppe anzugehören. Die ´´ sehr glaub –
würdige „ Storie, in deren Hintergrund die Bombardierung Dresdens 1945
steht, verkommt hier auch noch zur billigen Liebesschnulze : Deutsche
Krankenschwester Anna, gespielt von Felicitas Woll, verliebt sich in
britischen Piloten Robert, welcher von John Light gespielt wird. So
zieht dieKrankenschwester Anna im Liebesrausch u. a.an Juden, welche
man an Straßenlaternen erhängt hat vorbei, einmal wird sie gar selbst
fast standrechtlich erschossen. Damit nicht genug, erfährt sie, das
ihr Vater das Morphium für die Verwundeten an süchtige Nazzi-Bonzen
verschiebt. Nachdem man uns so also Dresden als die NS-Version von
Sodom und Gomorra präsentiert, erscheint die Bombardierung Dresdens
dann wie eine gerechte Strafe. Um dem widerlichsten Klischees die
Krone aufzusetzen, dann auch noch jene Szene aus dem Cockpit eines
britischen Bombers wo uns ein Besatzungsmitglied sagt, dass er seine
Angehörigen bei der deutschen Bombardierung von Coventry verloren
habe. Warum muß es eigentlich immer Coventry sein, so als gäbe es
keine andere britische Stadt die von den bösen Deutschen bombardiert
worden wäre. Etwa weil es das Regiebuch zur großen bürgerlich-demokra –
tischen Erinnerungsveranstaltung ein Jahr zuvor schon so vorschrieb ?
Letztes noch folgendes Klischee-Fazit des Film ist dementsprechend
dann auch, dass Anna erkennt, das der Untergang von Dresden das
´´ Resultat des von Deutschen begonnenen Krieges ist „.
So stellt dann auch die Fernsehzeitschrift ´´ TV Movie „ ( Heft
05/2006 ) über Regisseur Roland Suso fest : ´´ Er zeigt das Leid
der Dresdener – ohne auch nur den leisesten Zweifel an der Kriegs –
schuld Nazi-Deutschlands zu nähren „. Und wenn uns da nicht schlecht
wird, sind wir selber schuld.
Im März 2007 kommt uns ein weiterer TV-Zweiteiler ´´ Die Flucht „
( Regie : Kai Wessel ) daher. Wieder dieselbe Machart : Deutsche
Frau liebt französischen Kriegsgefangenen.Wieder gleicht ihre
Familie einem Verbrecheralbum, wieder dieselben perversen Klischees
wie sie uns schon im Dresden-Zweiteiler zur Genüge präsentiert wurden.
Man kann sich hier nur über die Einfallslosigkeit der Regisseure
wundern, oder waren im Dritten Reich etwa wirklich nur jene Frauen
welche einen Ausländer liebten, anständig ? Und selbst in den Familien
dieser ´´ liebestollen „ Frauen finden wir mindestens einen, der sich
mitschuldig gemacht hat und somit ein Verbrecher war. Diese Verbrecher –
alben-Klischees der TV-Regisseure dienen nur dem einen Zweck, dem
Bekräftigen und ständiger Untermauerung einer deutschen Kollektiv –
schuld.
2008 verfilmte dann der Regisseur Max Färberböck das Buch
´´ Anonyma – Eine Frau in Berlin „ mit der Schauspielerin Nina
Hoss in der Hauptrolle. Auch hier wird der sich aufdrängende den
Geschlechtsakt erzwingende russische Offizier zum ´´ Liebhaber „
verklärt, wird dem Filmzuschauer von einer ´´ Liebesbeziehung „
berichtet, von der uns allerdings in dem Originaltagebuch nichts
berichtet. Ganz nebenbei bekommt die Hoss von ihrem russischen
´´ Liebhaber „ sozusagen beim Liebemachen untergeschoben,
welche Verbrechen die Deutschen in der Sowjetunion begangen.
Wir sehen also, das es Methode hat : Während man den Deutschen
stets als Verbrecher darstellt, allenfalls taugt noch die deutsche
Frau zur Geliebten, kommt uns der Feind stets in der Rolle des
galanten Liebhabers daher. So umgeht man es, ihn in seiner gan –
zen grausamen Realität zu zeigen, denn grausam hat ja immer nur
der Deutsche zu sein. So erleben wir dann all die sympathischen
britischen ( ´´ Dresden „ ), französischen ( ´´ Die Flucht „ )
und russischen ( ´´ Anonyma „ ) Liebhaber und die immer bösen
Deutschen in allen Varianten und Nuancen, wieder und wieder.